Haben Sie sich je gefragt, inwiefern Sport gut ist für die Stimme? Spielt Sport für die Stimme überhaupt eine Rolle? Auch wenn es Sportmuffeln nicht gefallen mag: wenn Sie sprechen (oder auch singen), werden mehr als 100 Muskeln aktiv. Da liegt es nahe, dass die Stimme von Sport und Bewegung profitiert. Doch Vorsicht! Nicht jede Sportart tut der Stimme gut. Es gibt Sportarten, die – einseitig ausgeführt – der Stimme gar schaden können! Welche das sind? Dazu ein kleines Experiment. Was Sie für dieses Experiment benötigen:
  1. einen ruhigen Ort, an dem Sie ungestört sind
  2. eine geöffnete Türe (mit Türrahmen)
  3. die ersten Sätze aus Ihrem vergangenen Vortrag
Sprechen Sie die einleitenden Sätze aus dem Vortrag, den Sie zuletzt gehalten haben. Zum Beispiel: „Herzlich willkommen. In der kommenden Stunde möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie (…) Sie dürfen gespannt sein, mit welchen Ideen Sie gleich in die Mittagspause gehen werden…“ Sprechen Sie den Einstieg in den Vortrag insgesamt zweimal. Beim ersten Mal stellen Sie sich an eine Türe, lehnen sich dagegen und drücken – während des Sprechens – mit einem Arm stark gegen den Türrahmen. Wie fühlt sich dabei die Stimme an? Wie klingt sie? Sprechen Sie nun die gleichen Sätze noch einmal. Dieses Mal jedoch drücken Sie nicht gegen den Türrahmen, sondern umfassen den Türrahmen so, dass sie daran ziehen können. Wie fühlt sich die Stimme diesmal an? Wie genau klingt sie? Druck oder Zug – wer ist der Sieger? Vermutlich merken Sie: Wenn Sie drücken, klingt Ihre Stimme gepresst und forciert, in jedem Fall angestrengt. Wenn Sie jedoch ziehen, klingt Ihre Stimme voll und kräftig – und das vergleichsweise mühelos. Was folgt daraus? Sportarten, die mit Drücken zu tun haben, sind eher schlecht für die Stimme. Die Stimme liebt Sportarten, die mit Ziehen einhergehen. Wie ist das zu erklären? Drücken, Pressen, Stemmen oder Schieben sorgt dafür, dass unter dem Kehlkopf ein hoher Druck anliegt. Die Stimmlippen im Kehlkopf können dabei nicht frei und koordiniert schwingen. Die Stimme klingt gepresst, eng, forciert, angestrengt, ist kaum belastbar und wird schnell heiser. Fachleute bezeichnen das als „Überdruck-Funktion“ der Stimme. Hier 6 Beispiele für Sportarten, die eher mit Drücken verbunden sind. Drücken (Überdruck)
  • Armdrücken
  • Bauchpresse
  • Kugelstoßen
  • Sit-ups / Crunches
  • Boxen
  • Bankdrücken…
Ziehen, Heranholen oder auch Saugen unterstützt dagegen die sogenannte „Unterdruck-Funktion“ der Stimme. Hier wird beim Sprechen nicht das druckvolle und einengende Ausatmen betont, sondern das weitende und öffnende Einatmen. So paradox es zunächst klingen mag: Die Stimme profitiert davon, wenn beim Sprechen die Einatem-Muskulatur aktiv bleibt. Dieses Phänomen hat viele Namen, beispielsweise „Atemstütze“, „Elastische Spannhalte“, „Einatemtendenz“, „Weithaltung“ oder auch – abgeleitet vom Italienischen „Appoggiarsi“ – „Sich-Anlehnen“. Und hier 6 Sportarten, die eher mit Ziehen verbunden sind. Ziehen (Unterdruck)
  • Klettern
  • Rudern
  • Schwimmen
  • Bogenschießen
  • Tauziehen
  • Nordic Walking
Vielleicht entdecken Sie in dieser Rubrik ja Ihre neue Lieblings-Sportart? 3 Tipps für Sport und Stimme 
  1. Bewegen Sie sich regelmäßig, es genügt bereits zwei Mal pro Woche für etwa 30 Minuten ordentlich ins Schwitzen zu kommen!
  2. Wenn Sie ins Fitness-Studio gehen, achten Sie darauf nicht nur an den Kraft-Geräten „zu pumpen“, zu drücken und zu pressen, sondern zwischendurch – als Ausgleich – auch dehnende Bewegungen zu machen, die den Körper, vor allem den Brustkorb, weiten und öffnen!
  3. Suchen Sie sich eine mit Ziehen einhergehende Sportart aus und beginnen Sie zu trainieren!