Ein flaues Gefühl im Magen, butterweiche Knie, zittrige Hände, trockener Mund, hochroter Kopf, kalter Schweiß und eine Kehle, die sich wie zugeschnürt anfühlt – kennen Sie das? Hin und wieder sind wir alle einmal nervös und aufgeregt – vor einem Vorstellungsgespräch, einer Kunden-Präsentation oder einem wichtigen Vortrag. Studien haben gar gezeigt, dass für die meisten Menschen die Angst vor Auftritten größer ist als die Angst vor dem Tod!

Weil starkes Lampenfieber lästig ist und sich so unglaublich unangenehm anfühlt, wollen die meisten Menschen es daher verständlicherweise loswerden, unterdrücken oder irgendwie „in den Griff bekommen“. Dahinter steckt die Annahme, dass das Gefühl „Angst“ grundsätzlich schlecht und negativ sei und wir dieses Gefühl „überwinden“ müssten. Doch stimmt das wirklich?

Perspektivwechsel „Angst“

Angst ist eine biologische Grundkonstante. Solange es uns Menschen gibt, so lange gibt es auch die Angst. Einst vor Unwettern und wilden Tieren, heute vor Gehaltsverhandlungen oder der Zukunft Europas. Man kann sagen: Angst ist eine absolut erfolgreiche Erfindung von Mutter Natur. Aber weswegen ist „Angst“ so erfolgreich?

Wenn wir Angst spüren, passiert nichts anderes, als dass unser Körper uns Energie bereitstellt für eine außergewöhnliche Situation – damit wir entweder angreifen, uns verteidigen oder fliehen können. Angst macht uns – ob Säbelzahntiger, Kundenpräsentation oder Gehaltsverhandlung – wach, aufmerksam und hoch konzentriert. Angst mobilisiert unglaubliche Kräfte und sichert unser Überleben! Ist das nicht großartig?

Akzeptanz befreit: Mit der Angst sein

Wie wäre es also, wenn Sie künftig Ihr Lampenfieber nicht mehr verteufeln, ja nicht einmal mehr „in Kauf nehmen“, sondern stattdessen sich regelrecht in dieses Gefühl verlieben, es herzlich willkommen heißen? „Hallo Angst, schön dass Du da bist!“? Wie wäre es, wenn die Aufregung lediglich signalisiert, dass Ihnen Ihre Präsentation, Ihr Vortrag nicht egal ist? Dass Ihnen Ihre Botschaft, der Inhalt, die Menschen, zu denen Sie sprechen, wichtig sind?

Update: Autosuggestion

Lange dachten wir, man müsse nur positiv denken, sich vor den Spiegel stellen und laut sagen: „Ich bin cool und gelassen“ – dann werde das schon. Doch das – wissen wir mittlerweile – funktioniert leider nicht. Wie auch, wenn der Körper permanent schreit: Angst!?

Heute wissen wir: Autosuggestionen, die das Gegenteil von dem behaupten, was tatsächlich der Fall ist, funktionieren nicht. Der Grund ist einfach: Wenn ich in einem ängstlichen, vielleicht gar panischen Zustand sage: „Ich bin ruhig und gelassen“, dann ist das eine glatte Lüge. Wir belügen uns selbst. Und wissen das natürlich auch…

Es gibt jedoch günstigere Wege der Autosuggestion, die erwiesenermaßen besser funktionieren. Und zwar nicht mit dem Prinzip Lüge („Ich mache mir was vor“), sondern mit dem Prinzip der Akzeptanz („Ich nehme es an“).

In unserem Fall könnte eine solche Autosuggestion lauten:

„Auch wenn ich manchmal aufgeregt (nervös, unsicher, gestresst…) bin, liebe und akzeptiere ich mich so wie ich bin.“

Ich lade Sie ein, diese Autosuggestion einmal auszuprobieren. Was macht dass mit Ihnen? Wie fühlt es sich an, wenn Sie diese Autosuggestion mehrmals laut aussprechen?

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Experimentieren und beim Entdecken all dessen, was hinter Ihrer Angst liegt!