Angst - ein schlechter Ratgeber?

Dieser Beitrag ist erschienen in der Ausgabe 04/23 "Praxis Kommunikation". Hier ein Auszug.

Angst – ein komplexes Phänomen

Es scheint fast nichts zu geben, vor dem man nicht Angst haben kann: Klima, Spinnen, Überbevölkerung, Viren, Terror, Künstliche Intelligenz, Krieg. Menschen haben Angst den Job zu verlieren, Angst etwas zu verpassen, Angst vor anderen eine Rede zu halten, Angst vor Intimität, Angst eine Beziehung einzugehen, Angst den Partner zu verlieren, Angst zu spät zu sein – Angst vor dem Tod.  Das Phänomen „Angst“ ist so vielgestaltig, dass es sich meines Erachtens weder vollständig begreifen noch beschreiben lässt. In einem scheinen sich jedoch alle einig zu sein: Angst ist ein schlechter Ratgeber – sie fühlt sich nicht gut an, muss vermieden und wenn das nicht geht, irgendwie in den Griff bekommen und schließlich überwunden werden. Angstfreiheit scheint das Erstrebenswerte schlechthin. Doch stimmt das tatsächlich? Ist Angst wirklich negativ? Ist es möglich, angstfrei zu leben? Und wenn ja, wie?....

Ab durch die Angst!

Vor genau 25 Jahren habe ich mein Studium begonnen: klassischer Gesang, Oper. Was bislang geliebtes Hobby war, wurde nun zum Beruf. Die Anforderungen stiegen, ebenso die Erwartungen, vor allem diejenigen an mich selbst. Ich bekam es buchstäblich mit der Angst zu tun. Singen war für mich mehr Frust als Lust. Ich schlief schlecht, schon Tage vor meinem Auftritt war ich nervös, mein Herz raste, der Körper zitterte, Schweiß auf der Stirn, wacklig auf den Beinen, unmöglich einen klaren Gedanken zu fassen. Alles Anzeichen für die pathologische Version des Lampenfiebers: Auftrittsangst.

Damals wusste ich das nicht. Ich dachte, das sei normal. Schließlich ging es den anderen ja ganz ähnlich. Ich habe mich durchs Studium gequält, die Angst immer im Nacken. Es war schwierig. Mal habe ich mich tollkühn den Auftrittssituationen gestellt, mal habe ich gekniffen und mich aus der Affäre gezogen. Was also machen?

Not macht erfinderisch

Intuitiv habe ich nach etwas gesucht, bei dem ich mich wohler fühle, was mir leichter fällt und bei dem ich zugleich erfolgreicher bin. Ich habe angefangen, beim Lokalradio Nachrichten zu lesen. Dann hieß es: bewirb Dich doch mal bei den Profis! Gesagt, getan. Ein paar Monate später war ich im Sprecher-Ensemble des Nachrichtenradios MDR INFO – und das fast zehn Jahre lang.

Perspektivwechsel „Angst“

Mein Blick auf vermeintlich „negative“ Gefühle ist heute ein deutlich anderer. So dysfunktional eine Auftrittsangst auch sein mag, sie erfüllt dennoch eine Funktion. Die Angst hat mir überraschende Möglichkeiten gezeigt und mich ungeahnte Wege gehen lassen, die ich ohne sie vermutlich nie gegangen wäre. Angst lähmt also nicht nur, sondern macht auch kreativ. Dafür spricht noch einiges mehr...

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