Michelangelo´s David – und was dieser mit der Befreiung der Stimme zu tun hat

In einer Welt voller Selbstoptimierung, Leistungsdruck und ständiger Weiterentwicklung scheint die Logik klar: Mehr Methoden, mehr Tools, mehr Training führen zu mehr Erfolg. Doch was, wenn genau das Gegenteil der Schlüssel ist?

Der Ansatz der „Kunst des Weglassens“ stellt eine überraschend einfache Frage:
Nicht Was muss ich noch lernen? – sondern Was kann ich weglassen?

Eine bekannte Anekdote über Michelangelo beschreibt diesen Gedanken eindrucksvoll. Auf die Frage, wie er die perfekte Statue des David erschaffen konnte, antwortete er sinngemäß: Er habe einfach alles aus dem Marmorblock entfernt, was nicht David war.

Übertragen auf persönliches Wachstum bedeutet das:
Unsere Fähigkeiten – auch unsere Stimme, Präsenz und Wirkung – sind oft bereits vorhanden. Häufig werden sie nur durch Blockaden, Gewohnheiten oder unnötigen Druck überlagert.

Via positiva vs. Via negativa
Viele Trainings- und Coachingansätze folgen der sogenannten Via positiva:
Menschen sollen neue Fähigkeiten entwickeln, Techniken lernen und sich ständig verbessern.

Der alternative Weg ist die Via negativa.

Hier geht es darum:

  • Überflüssiges loszulassen
  • innere Blockaden abzubauen
  • Raum für das zu schaffen, was bereits vorhanden ist
  • Statt ständig etwas hinzuzufügen, entsteht Entwicklung durch Reduktion und Klarheit.

Warum weniger oft mehr Wirkung erzeugt

Gerade im Bereich Stimme, Kommunikation und Präsenz zeigt sich dieser Ansatz besonders deutlich.

Viele Menschen glauben, sie müssten ihre Stimme „verbessern“. In Wirklichkeit ist ihre Stimme bereits vollständig – sie wird nur durch Unsicherheit, Anspannung oder Gewohnheiten eingeschränkt.

Wenn diese Hindernisse wegfallen, entsteht etwas Neues:

  • natürliche Präsenz
  • stimmige Wirkung

Das alles nicht durch zusätzliche Techniken – sondern durch das Freilegen des Eigenen.

Ein praktischer Tipp für den Alltag

So können Sie einsteigen in die Kunst des Weglassens: Schreiben Sie neben Ihrer To-do-Liste auch eine Not-to-do-Liste.

Fragen Sie sich:

  • Welche Gewohnheiten kosten mich unnötige Energie?
  • Welche Erwartungen kann ich loslassen?
  • Was darf heute einfach wegfallen?

Oft entsteht genau dort Raum für Klarheit, Wirkung und Entwicklung.

Persönliches Wachstum neu denken

Die Kunst des Weglassens bedeutet nicht Verzicht oder Einschränkung.
Sie bedeutet Freiheit: die Freiheit, Überflüssiges loszulassen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Gerade im Stimmtraining und in der persönlichen Entwicklung kann dieser Perspektivwechsel überraschend viel verändern.

Wer weniger hinzufügen will, muss manchmal nur den Mut haben, mehr wegzulassen.

„Die Kunst des Weglassens – warum der negative Weg so positiv ist“

Weiterlesen? Den vollständigen Artikel finden Sie in dieser Ausgabe "Praxis Kommunikation"

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